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blau


An einem Abend im September ging Hermann F. am Fluß entlang und wunderte sich, dass er sich wunderte.
Wie kann es sein, so fragte er sich, dass ich mich wundere? Die Dinge, so dachte er, sind doch alle so, wie sie eben sind, ob ich mich nun wundere oder nicht... Was macht das für einen Unterschied? Und warum wundere ich mich?

Hermann F. ging weiter am Ufer des Flusses entlang und sinnierte vor sich hin. Er war an eine seichte Stelle gekommen und beschloß, dem Phänomen des Wunderns auf die Schliche zu kommen. Hermann F. holte ein-, zweimal tief Luft, dann ging er mit seinen hangenähten Budapester Rahmenschuhen, maßgefertigt, ein paar Schritte in den Fluß hinein. Als er etwa knietief im Wasser stand, drehte er sich um, sah ans Ufer, öffnete den Mund und begann lauthals zu muhen, als wäre er ein Rindviech kurz vorm Kalben...

Im Nu blieben ein paar Passanten stehen und starrten Hermann F. an. Ganz offenbar wunderten sie sich. Hermann F. muhte noch lauter. Er fand Gefallen an diesem Gefühl der im Flußwasser kaltnassen Schuhe, die seine Füße umschlossen, während andere Wasserpartikel langsam in seine Hose einsogen.

Im Nu hatte sich ein kleiner Auflauf von Menschen gebildet, die alle am Ufer standen und Hermann F. anstarrten. Manche redeten miteinander, andere schauten nur ins Wasser, zu Hermann F. hin, und wieder andere tauschten bedeutungsvolle Blicke.

Hermann F. beschloß, wieder zum Ufer zurückzukehren, um seine Studie über's Wundern fortzuführen. Als er die Menschen am Ufer erreichte, wichen die meisten zurück. Und als er fragte, ob sie sich wunderten, was er da gerade getan habe, antwortete einer, ja, er habe sich wohl gewundert, und was denn das alles nur zu bedeuten habe...

Da fragte Hermann F. zurück, was denn das Wundern für ein Zustand sei und ergänzte auf die Rückfrage: 'Wie Bitte?', dass er wissen wolle, was den das Wundern für eine Bedeutung habe, wo doch die Dinge alle so seien, wie sie sind, und ein Wundern am Ist-Zustand nichts ändere...

Die Menschen starrten Hermann F. ungläubig an. Dann verließen sie kopfschüttelnd den Ort des Geschehens.

Hermann F. merkte, wie sich wieder ein Gefühl des Wunderns in seinem Körper breit machte. Er fragte sich, weshalb die Menschen nicht bereit waren, seine Neugier zu befriedigen. Er konnte es sich nur damit erklären, dass er mit seiner Frage seinerseits die Neugier der Menschen gestillt hatte, die ihn daraufhin, ohne ihm Satisfaktion zu gewähren, allein zurückließen.

Damit war er mehrfach gestraft. Deprimiert zog Hermann F. vom Ort des Geschehens ab. Er ging, nachdem er seine Hosenbeine hochgekrempelt hatte, in die Stadt und suchte dort das Schuhgeschäft seines Vertrauens auf. Als er den Laden betrat, bemerkte er sogleich den Ausdruck der Verwunderung im Gesicht der Verkäuferin, als die seine nassen Sachen bemerkte. Wie denn so etwas habe geschehen können, begehrte diese zu wissen, worauf Hermann F. fragte, was sie meine, zu welchem Vorteil ihr rein evolutionär betrachtet ihre Verwunderung gereiche. Auf ihre Unverständnis äußernden Worthülsen hin, insistierte Hermann F. solange und intensiv auf eine Antwort für seine Frage, dass die Dame schließlich unter einem Vorwand den Verkaufsraum verließ, und Hermann F. fürderhin von einem Verkäufer, recht freundlich zwar, aber reichlich reserviert und deutlich auf Distanz bedacht, bedient wurde.
Dieser Kerl ließ sich nicht einmal durch die Hahnenschreie, welche Hermann F. ausstieß, um ihn zu erstaunen und hnterher befragen zu können, aus der Ruhe bringen.

Traurig verließ Hermann F. den Laden, nachdem für ein paar neue Schuhe maßgenommen war. Er fragte sich, wieso ausgerechnet er von all dieser Wissenswut befallen war und warum den Rest der Welt auch nicht ein Ansatz seiner Unruhe quälte.

Als er daheim anlangte, entledigte sich Herman F. der nassen Sachen und ging in Unterwäsche in die Küche, um sich zwei Spiegeleier zu braten. Er war noch ganz in all seinem Unglück versunken, als urplötzlich eine Idee in ihm aufstieg, die ihm die Zukunft wieder strahlender erscheinen ließ! Hermann F. nahm sich vor, gleich nachdem er gegessen hatte, alle Blätter einer Rolle Klopapier abzureißen und zu zählen. Wenn die Anzahl der Blätter nicht mit der auf der Verpackung versprochenen übereinstimmte, wollte er den Chef des Supermarktes zwingen, alle Blätter nachzuzählen und dann Stellung zu nehmen.

Hermann F. atmete tief durch und ging, nachdem er gespeist hatte, in das Badezimmer. Noch während er die Blätter zählte, wuchs in ihm die Erleichterung, dass dieser Tag für ihn nicht völlig verloren war...



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