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n.i.c.h.t.s.pep.zone

braun

Kalamität


Johann Mager saß auf seinem Stuhl und starrte auf seinen Tisch. Vor sich hatte er eine Tasse dampfenden Kaffees gestellt. Er versuchte, sich auf den Geruch des Kaffees zu konzentrieren. Doch so sehr er sich auch bemühte und dem Dampf beim Aufsteigen zusah, Johann Magers Gedanken ließen sich einfach nicht bündeln. Immer wieder gingen sie auf Wanderschaft.

Johann Mager schloß die Augen und beugte sich tief über seine Kaffeetasse, um den Geruch des Kaffes zu inhallieren. Zwar roch er jetzt den Kaffee, doch gelang es ihm nicht, vollends in dem Kaffeeduft aufzugehen. Johann Mager öffnete aufs Neue die Augen. Ihm war melancholisch zumute.

Johann Mager war 69 Jahre alt und lebte schon sein Leben lang alleine. Er fand das eine recht angenehme Art, die Tage zu erleben. Er mochte die Stille und den Frieden um sich herum und genoß es, jederzeit Herr über seine Zeit zu sein. Er vermißte niemanden um sich herum.

Gewiß, auch Johann Mager war einmal ein junger Mensch gewesen und auch seine Hormone ließen ihn das eine oder andere Mal wie von einem Magneten gezogen hinter der holden Weiblichkeit herlaufen. Doch sah Johann Mager rasch ein, dass es andere Männer gab, die ihr weibliches Ziel mit viel größerem Ehrgeiz einzunehmen trachteten als er es tat, und so blieb sein Verlangen immer auf der Strecke. Anderen Damen war er hingegen Objekt der Begierde gewesen, doch lockten ihn ihre Reize nicht, und so widerstand er ihren
Verlockungen, weil er seine Ruhe und Bequemlichkeit stets höher schätzte, als den kurzen Augenblick wollüstiger Verschmelzung, dem dann ein ewiges Angleichen unterschiedlicher Lebenskonzepte zu folgen drohte. Er sah das bei so vielen Menschen, die er kannte, dass er seine Unabhängikeit immer höher schätzte und schließlich irgendwann nicht mehr nur gegenüber Damen sondern letztendlich gegenüber der gesamten Menschheit kein Verlangen nach Nähe mehr verspürte. Johann Mager lebte als Eremit unter den
Herdentieren. Es reichte ihm, die Herde um sich zu wissen, deshalb lebte er in der Stadt, er wollte die Herde nicht auch noch bei sich haben.

Johann Mager schaute wieder in seinen Kaffee. Der Dampf begann auf der schwarzen Haut stehenzubleiben, wie Morgennebel über einer Waldwiese.

Johann Mager war irritiert. Er konnte sich immer darauf verlassen, dass er sich voll auf eine Sache oder einen Gegenstand konzentrieren konnte. Doch heute wollte ihm eine adäquate Würdigung des Kaffees einfach nicht gelingen.

Johann Mager schüttelte traurig den Kopf. Er nahm die Kaffeetasse und leerte sie in einen Blumentopf. Dann stellte er die Tasse wieder ab, legte sich auf das Sofa und schloß die Augen. Johann Mager dämmerte vor sich hin. Als es an der Tür klingelte, beschloß er, sie nicht zu öffnen.



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